Objekt /
Adresse

Der ehemalige Kratzturm / Bollwerk im Spitz
an der Bahnhofstrasse / Börsenstrasse
 
erstmals
erwähnt
1293 / 1524 Bollwerk
Hausname Turm am Graben im Spitz / Kratzturm mit Bollwerk im Spitz Abbruch 1877 (1836 Bollwerk)
Quartier(e) Altstadt links der Limmat Stadtkreis 1 PLZ 8001
       
Abbildung
Bildtext Die Umgebung des ehemaligen Kratzturmes (ganz rechts) auf dem Murerstadtplan von 1576.
Von links nach rechts Werkhofturm, Kappelerhof und Kratzturm, vorne rechts Bollwerk im Spitz.
Bildquelle Ausschnitt aus der Holzschnitt-Planvedute der Stadt Zürich von Jos Murer von 1576
       
Text Der ehemalige Kratzturm und das Bollwerk im Spitz
als Teil der dritten, linksufrigen Stadtbefestigung

Der Kratzturm gehörte zur dritten linksufrigen Stadtbefestigung und wurde bereits 1293 erbaut, er bildete das südwestlichste Ende der Stadtbefestigung. Zu diesem Zeitpunkt aber er aber noch nicht unter dem Namen Kratzturm bekannt sondern als "Turm am Graben im Spitz". Den Beschreibungen nach aus jener Zeit wurde er aus Findlingen fast 24 Meter hoch gemauert. Die Dicke der Mauern soll an seiner stärksten Stelle 2 Meter betragen haben und sich nach oben innwendig verjüngend bis 1 Meter reduziert haben.

Ein nebenamtlicher Nachtwächter hielt ab dem Jahre 1340 vom Kratzturm aus Ausschau über die Stadt. Seine Aufgabe war es allfällige Brandherde frühzeitig zu erkennen und nötigenfalls Alarm zu schlagen. Im Jahre 1444 erhielt der Turm seinen bekannteren Namen "Kratzturm", benannt nach einem Flurnamen und das Quartier indem er stand früher auch als "Kratzquartier" bekannt war. Der Turm war ab diesem Zeitpunkt normalerweise mit einer 4köpfigen Mannschaft bestückt. Das Kratzquartier, welches erstmals 1315 erwähnt wurde, erstreckte sich südlich der Fraumünsterabtei bis zum See.

In den Jahren 1524-1545 wurde seeseitig vor den Füssen des Kratzturmes ein zusätzliches Bollwerk, das Bollwerk am Spitz, erstellt. Der Wall dem dieses Bollwerk vorstand erstreckte sich vom See bis hin zum Rennwegtor und lag zwischen dem Sihlgraben und dem Fröschengraben. Der Ausbau und die Einbindung des Bollwerks in die Schanzen erfolgte in den Jahren 1621 bis 1634. Der Abbruch wiederum des Bollwerkes erfolgte vor dem Turmabbruch, nämlich bereits 1836.

Erst im Jahre 1854 wurde für den Nachtwächter-Posten im Turm eine Wohnung eingebaut. Die heutige Quaibrücke gab es übrigens in jener Zeit noch nicht, sie wurde erst 1882-1884 erbaut. Dieser Quartiername ist heute übrigens nicht mehr im Gebrauch. Einen interessanten Chronikeintrag finden wir auch im Jahre 1855. Am 25. Juli 1855 bebte die Erde während mehrerer Sekunden so stark, dass vom Kratzturm offensichtlich der Kamin herunterfiel.

Im Zuge der Neuplanung des Kratzquartieres und der Verlängerung der Bahnhofstrasse zum See und dem geplanten Bau einer Seequaianlagewurde schon früh (1863) mit dem Gedanken gespielt den Turm abzureissen. Trotz vieler Gegner dieses Vorhabens wurde auch der Kratzturm im Jahre 1877 abgetragen. Über seinen ehemaligen Standort verläuft heute ziemlich genau die Kreuzung der Börsen- und der Bahnhofstrasse.

 

       
Abbildung
Bildtext Detaillierte Ansicht des Kratzturmes auf dem Murerschen Stadtplan von 1576.
Schön sichtbar darauf ist im Vordergrund das Bollwerk am Spitz.
Bildquelle Ausschnitt aus der Holzschnitt-Planvedute der Stadt Zürich von Jos Murer von 1576
   
Abbildung
Bildtext Der Kratzturm mit angrenzenden Wohnbauten.
Bildquelle Bildersammlung von Rolf A. Meyer, Zürich mit freundlicher Genehmigung
   
Abbildung
Bildtext Der Kratzturm auf einem Albuminabzug in den Jahren 1860-1870.
Bildquelle Bildersammlung von Rolf A. Meyer, Zürich mit freundlicher Genehmigung
   
Abbildung
Bildtext Ein Übersichtsplan des ehemaligen Kratzquartieres vor und nach dem Umbau.
Rot einzeichnet der einstige Standort des Kratzturmes. Für Vergrösserung bitte ins Bild klicken
Bildquelle Beilage zur "Erinnerung an die Baugarten-Gesellschaft"
   
Abbildung
Bildtext Der altehrwürdige Kratzturm mit dem angrenzenden Restaurant zum Baugarten an der heutigen Kreuzung
Bahnhofstrasse / Börsenstrasse. Rechterhand das Hotel "Baur au Lac".
Bildquelle Zeichnung von I. C. Werdmüller aus dem Jahre 1871.
   
Abbildung
Bildtext Der Kratzturm und dem Restaurant im Baugarten, im Hintergrund die Bahnhofstrasse und rechts hinten das
Grossmünster. Aufnahme vor 1877.
Bildquelle Johann Ganz, 1877
   
Text Der Standort - einst und heute

Über den ehemaligen Standort des Kratzturmes verläuft heute ziemlich genau die Kreuzung der Börsen- und der Bahnhofstrasse. Das Bollwerk würde man heute etwa bei der Dreikönigbrücke auf der Höhe der Börsenstrasse 25/27 lokalisieren.

 

       
Abbildung
Bildtext Der Standort des ehemaligen Turmes und des Bollwerkes in der Gesamtübersicht.
Bildquelle Starke Verkleinerung der Holzschnitt-Planvedute der Stadt Zürich von Jos Murer von 1576
       
Abbildung
Bildtext Wer denkt heute schon bei seiner Tramfahrt durch die Bahnhofstrasse, dass er über den Standort des
ehemaligen Kratzturmes fährt?
Aufnahme vom 26. Dezember 2005.
Bildquelle Bildarchiv Dürst, Zürich
   
Abbildung
Bildtext Blick auf den ehemaligen Standort des Kratzturmes an der Kreuzung Bahnhofstrasse / Börsenstrasse. Würde man der Börsenstrasse weiter folgen käme man an den Standort des ehemaligen Bollwerkes. Aufnahme vom 26. Dezember 2005.
Bildquelle Bildarchiv Dürst, Zürich
   
Jahr Hausgeschichte
   
   
   
   
   
Links zum
Thema
Zürich um 1800 – Historisches Stadtmodell - Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich
Das ehemalige Kratzquartier in Zürich, Dokumentation von Rolf A. Meyer
Zum Abbruch des Baugartens mit Kratzturm 1877 von Rolf A. Meyer
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