Objekt /
Adresse

Der ehemalige Geissturm
Ende Kirchgasse beim Rösslibrunnen
 
erstmals
erwähnt
.
Hausname Der Geissturm / Geissbergturm Abbruch 1652 explodiert
Quartier(e) Altstadt rechts der Limmat Stadtkreis 1 PLZ 8001
       
Abbildung
Bildtext Der ehemalige Geissturm ganz oben rechts auf dem Murerplan von 1576.
Bildquelle Ausschnitt aus der Holzschnitt-Planvedute der Stadt Zürich von Jos Murer von 1576
       
Text Der ehemalige Geissturm
als Teil der dritten, rechtsufrigen Stadtbefestigung

Der ehemalige Geissturm war Teil der dritten Befestigungsbauten der Stadt Zürich, es sind keine genauen Angaben über die Ersterwähnung bekannt. Es ist aber bekannt, dass der Turm etwa 35m hoch und mit einem pyramidenförmigen Dach gedeckt war. Ebenso bekannt war, dass die an den Geissturm angrenzenden Ringmauer im Jahre 1579 mit Zinnen bestückt wurde.

Besondere Bekanntheit wurde dem Geissturm durch einen schweren Unfall zuteil. Da der Geissturm jener Turm war der am weitesten weg des bewohnten Gebietes lag wurde er auch als Pulverturm genutzt. In den Gemäuern des Turmes lagerte ab 1651 das Pulver und die Munition der 13 Stadtzünfte für die Kanonen. Den Überlieferungen nach bis weit über 400 Zentner Schwarzpulver.

 

       
Text 10. Juni 1652 - Der Geissbergturm explodiert

Am 10. Juni 1652, einem Donnerstag-Abend gegen 1800 Uhr, zog ein bedrohliches Gewitter über Zürich auf. Ein Blitzstrahl schlug in den Geissbergturm ein und brachte das dort eingelagerte Pulver zur Explosion. Mit furchtbarem Getöse und brachialer Gewalt muss offenbar der Turm und über 100 m der angrenzenden Stadtmauer gesprengt worden sein. Ein Grossteil der gesprengten Mauer fiel als als Steinregen in der Nähe des Grossmünsters nieder.

Einer der Steine, welche besonders zahlreich in der Gegend des Grossmünsters niederfielen, ist in die Gartenmauer hinter dem Haus zum kleinen Paradies an der oberen Kirchgasse eingefügt worden und trägt die Inschrift: "Strahlabend 10. Juni 1652". Diese Explosion verursachte an den Gebäuden der Stadt einen Schaden von einigen hunderttausend Gulden.

Noch heute erinnert übrigens der 34 Zentner schwere Findling an der Ecke Kirchgasse / Münstergasse an diese schicksalsträchtige und historische Nacht. Auch er war einst Bestandteil der Turmmauer. Die Wucht der Explosion bewirkte aber auch, dass Steine über den See nach Wollishofen und weiter flogen. Den Überlieferungen nach verloren in jener Nacht sieben Mensch durch den Steinregen ihr Leben. Unter ihnen auch Herr Rudolf Emd, von Beruf Nadlermeister, der eben seinen Laden an der Wühre schliessen wollte.

Es gab aber nicht nur viele Verletzte zu beklagen sondern auch wundersame Rettungen.So blieb ein ein Kind in seiner Wiege verschont, obwohl die Wiege selber durch die Steine zerstört wurde. Ein Schüler wurde durch den enormen Druck weggeschleudert während dem der Tisch an dem er sass in Brüche ging. Ebenso wurden Einschläge verzeichnet in diverse Fenster und Kirchenbänke beim Fraumünster, ins Zunfthaus zur Waage und auch in die Brücke beim Schwert.

Auch wird berichtet, dass die Häuser in der näheren Umgebung auch des Stadelhofens sowie die Rebberge am Geissberg wie von Kugeln durchlöchert ausgesehen hätten. Am drauffolgenden Sonntag wurde für die betroffenen Bürger eine Kollekte in der Grossmünsterkirche durchgeführt.

Da brachte man 1651, die aus mehr als 400 Zentnern Pulver bestehende Munition der dreizehn Zünfte, aus dem Wolfsturm beim Obmannamt in den Geissturm. Aber schon am 10. Juni 1652 entzündete ein Blitzstrahl diesen Vorrat und zersprengte den Turm mit solcher Gewalt, dass sehr grosse Steine über die ganze Stadt hin, ja selbst über den See nach Wollishofen geschleudert wurden.

 

       
Abbildung
Bildtext Eine sehr detaillierte Ansicht des ehemaligen Geissbergturmes liefert uns auch hier
wieder einmal die Stadtplanvedute von Jos Murer.
Bildquelle Ausschnitt aus der Holzschnitt-Planvedute der Stadt Zürichvon Jos Murer von 1576
   
Text Der Standort - einst und heute

Der Standort des ehemaligen Geissturmes war auf einer Hügelkuppe nahe der Winkelwiese, etwa zwischen heutiger Rämistrasse / Einmündung Hirschengraben und der Winkelwiese angesiedelt. Der Name "Geissberg" und "Geissturm" stammt von den Ziegen oder eben "Geissen" die in unmittelbarer Nähe weideten.

 

       
Abbildung
Bildtext Der Standort des ehemaligen Geissturmes in der Gesamtübersicht.
Bildquelle Starke Verkleinerung der Holzschnitt-Planvedute der Stadt Zürich von Jos Murer von 1576
       
Abbildung
Bildtext Der ungefähre Standort des ehemaligen Geissturmes zwischen Rämistrasse und Winkelwiese.
Aufnahme vom 19. Januar 2008.
Bildquelle Bildarchiv Dürst, Zürich
   
Jahr Hausgeschichte
   
   
   
   
   
Links zum
Thema
Zürich um 1800 – Historisches Stadtmodell - Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich
 
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