Objekt
Adresse

Einstiger Friedhof "Grossmünster"
unterer Friedhof
 
erbaut Mittelalter
Fläche 1000 m2 geschlossen 1790
Quartier(e) Altstadt rechts der Limmat Stadtkreis 1 geräumt 1876
           
Abbildung
Bildtext In der Grabungsfläche zeigt sich die Ausdehnung der mit menschlichen Knochen gefüllten Grube. Im Hintergrund ist eine intakte Bestattung zu erkennen, die über der Grube angelegt worden war.
Bildquelle Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich, Zürich / Medienmitteilung
   
Zusatztext 21. Mai 2007: Knochenarbeit beim Grossmünster

Die Zürcher Stadtarchäologie hat unter dem Grossmünsterplatz eine erstaunliche Entdeckung gemacht: eine Grube mit tausenden von Knochen, wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert. Die WissenschafterInnen werden nun die Stelle genauer untersuchen, dann werden die Überreste durch das städtischen Bestattungsamt ordentlich zur letzten Ruhe gebettet.
 
Jahrhundertelang diente die Terrasse um das Grossmünster als offizieller Friedhof, auf dem bis 1786 Bestattungen stattfanden. Darum überraschte es die Stadtarchäologie nicht, an dieser Stelle auf Knochen zu stossen. Die Menge und die Art und Weise jedoch liess selbst erfahrenen Archäologen und Archäologinnen den Atem stocken. Schädel, Rippen, Bein- und Armknochen, völlig ungeordnet und dicht beieinander.
 
Dr. Dölf Wild, Leiter der Stadtarchäologie nimmt an, dass die Grube nach der Reformation von 1524 angelegt wurde, als man beim Grossmünster zwei bestehende Beinhäuser aufgab. Das Aufbewahren und Ausstellen von Knochen hatte bei Friedhöfen von katholischen Kirchen Tradition, sollten sie doch an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern. Nach der Reformation wurden die Beinhäuser aufgegeben und die Knochen wahrscheinlich einfach in die Grube geschüttet, die nun fast 500 Jahre später wieder ausgehoben wird.
 
In einer höher gelegenen Erdschicht wurde später wieder normal bestattet, das zeigt ein fast intaktes Skelett. Aus der Deckschicht stammen ein paar schöne Funde. Zum Beispiel ein «Würfelsurrli» und ein kleines, kopfloses Frauenfigürchen aus Ton.
 
Die Funde werden noch ein paar Tage sichtbar bleiben, bevor sie vom Bestattungsamt ge-borgen und an einem anderen Ort bestattet werden. Anschliessend werden die Archäologen ihre Arbeit fortsetzen, um dem geschichtsträchtigen Boden noch mehr Erkenntnisse und Geschichten zu entlocken.
 
Die Archäologie der Stadt Zürich macht ihre Funde immer wieder der Öffentlichkeit zugänglich. So etwa mit den attraktiven so genannten Archäologischen Fenstern, die vor Ort oder im Web unter Archäologische Fenster zu besichtigen sind. Wenn an Fundträchtigen Orten durch die bauliche Tätigkeit eingegriffen wird, ist es wichtig, dass die städtische Archäologie ihre Arbeit sorgfältig machen kann. Ansonsten gehen der Stadt beim Bauen wertvolle Informationen zu ihrer Vergangenheit verloren.

Quelle: Medienmitteilung der Stadt Zürich vom 21. Mai 2007

 

   
Abbildung
Bildtext Die mit menschlichen Knochen gefüllte Grube reicht bis einen halben Meter unter die Oberfläche.
Bildquelle Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich, Zürich / Medienmitteilung
   
Abbildung
Bildtext Auswahl von Funden aus der Deckschicht über der Knochengrube: Tabakpfeife, Frauenfigürchen aus Ton, Kreisel ("Würfelsurrli") aus Bein, Schmuckkettchen (15.-17.Jahrhundert).
Bildquelle Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich, Zürich / Medienmitteilung
   
Jahr Hausgeschichte
   
   
   
   
 
   
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Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich, Zürich
 
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